Pfarrei  St.Gerhard Heiligenstadt

Nachdenkliches von Pfarrer Ludger Dräger


Drama, was für ein Drama...


Vor einer Woche wurde im Heiligenstädter Kulturhaus das Requiem von Mozart aufgeführt. Zweifellos ein musikalisches Werk von Weltrang. Die Musik widerspiegelt das Drama zwischen Gericht einerseits und Erlösung andererseits. Eine Erfahrung, die uns heute – auch unter Katholiken – weitgehend abhanden gekommen scheint. Vom Gericht ist nicht mehr viel übrig geblieben. Alles verschwindet unter dem großen Mantel der Barmherzigkeit. Ende gut, alles gut? Bilder vom Jüngsten Gericht, wie sie zu finden sind am Eingang der gotischen Kathedralen und nicht zuletzt von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle, lassen uns etwas erahnen vom Glauben unserer Vorfahren. Zu uns, zum Glauben in der heutigen Zeit scheint es da kaum noch eine Verbindung zu geben.

Szenenwechsel: Heiligenstadt am Palmsonntag. Am Nachmittag die große Prozession als figürliche Darstellung des Leidensweges Christi. Am Vormittag wurde in den Kirchen die Passion gelesen. So viel Leid auf einmal – zu viel Leid?

Die Welt ist voller Leidensgeschichten, damals und heute und zu allen Zeiten. Und dennoch ist da ein Unterschied. Es ist die Leidensgeschichte Gottes, die sich dem Menschen in den Figuren und Liedern erschließen soll. Trotzdem bleibt da ein großes Warum? Ursächlich für das Leiden des Sohnes Gottes sind nämlich nicht der Hohe Rat, nicht Pontius Pilatus; sie sind allenfalls ausführende Organe. Ursächlich ist die Sünde. In den Liedern der österlichen Bußzeit wird dies fortlaufend thematisiert. Damit sind wir im wahrsten Sinne des Wortes an einem wunden Punkt angekommen. Das Leiden Christi erinnert uns daran, dass wir Sünder sind. Der Apostel Paulus wird nicht müde, genau das zu betonen. Daran erinnert zu werden, ist nicht angenehm. Sünde verursacht Schmerzen in jeder Hinsicht. Ihn, der keine Sünde kannte, ihn hat Gott für uns zur Sünde gemacht (2 Kor 5,21).

Wo die Sünde „verschwindet“, vergeht auch alle Einsicht in das leidvolle Geheimnis der Erlösung. Mozart hat die Gerichtsszenen musikalisch gewaltig dargestellt. Da geht es wirklich um Leben und Tod. Nur durch Christus kann der Mensch im Gericht bestehen, niemals aus eigener Kraft oder gar selbstherrlicher Erhöhung.

Der österliche Christus trägt den Sieg davon und lässt UNS MIT IHM siegen. „Denn Er hat für uns beim ewigen Vaters Adams Schuld bezahlt und den Schuldbrief ausgelöscht mit seinem Blut, das er aus Liebe vergossen hat.  Exsultet.



Ihr Pfarrer Ludger Dräger