Pfarrei  St.Gerhard Heiligenstadt

Nachdenkliches von Pfarrer Ludger Dräger


Was uns fehlt? Eigentlich gar nichts.


Sie haben das alle schon erlebt. Ein Fest steht bevor und die Gäste fragen nach einem Wunsch oder direkt nach einem Geschenk. Schnell geraten wir in Verlegenheit. Hm…ich weiß jetzt nicht, was ich mir wünschen soll? Vielleicht fällt mir ja noch was ein. Insgeheim denken wir darüber nach, was uns fehlt, was wir gebrauchen könnten? Aber es fehlt nichts, zumindest keine Dinge, die man mal ebenso für Geld kaufen könnte. Heißt das nun, wunschlos glücklich? Eher nicht.  


In einer durch und durch ökonomisierten Gesellschaft geht es ständig ums Geld. Geld scheint die Bedingung der Möglichkeit für alles zu sein. Karel Gott, dieser Tage 80 Jahre geworden, sang einmal von einer Reise um die ganze Welt „und die Taschen voller Geld, davon hab ich schon als kleiner Bub geträumt“. Mittlerweile beginnt ein zaghaftes Umdenken, ob es da nicht doch Grenzen gibt? Ist der Kapitalismus oder anders gesagt, das ständige Wecken von Bedürfnissen und deren Erfüllung, überhaupt noch verkraftbar für diesen Planeten? Ein Teil der Jugend sagt Nein und will mittels Klima die Welt und die Zukunft retten. Wir merken deutlich, wie sehr sich überall die Widersprüche mehren, wenn es nur noch um Wachstum geht. Dahinter steckt das Versprechen, dass die Mehrung von Hab und Gut glücklicher macht. Das aber ist ein Trugschluss.  


In den Seligpreisungen der Bergpredigt werden zuerst die Armen genannt, „denn ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,2) Vor Reichtum wird ständig gewarnt. Diese Warnungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das ganze Evangelium. Ein Höhepunkt diesbezüglich ist die Versuchung Jesu in der Wüste, wo der Versucher ihm alle Schätze der Welt zu Füßen legen will, wenn der Herr vor ihm niederfalle und ihn anbete. Jesus gibt unmittelbar die Antwort: Den Herrn deinen Gott allein sollst du anbeten (Lk 4).  Reichtum lässt Gott aus dem Blickfeld verschwinden, das ist die Wahrheit. Da ist keine Sehnsucht mehr da nach dem Himmelreich. Wer alles gewinnen will, wird am Ende alles verlieren, auch so ein deutlicher Satz des Evangeliums (Lk 9,25; Lk 12, 16-21).  


Eine wunderbare Antwort gibt der Psalm 63: „Gott, du mein Gott, dich suche ich. Meine Seele dürstet nach dir.“ Der Beter dieser Worte weiß, dass alles, was die Welt zu bieten hat, letztendlich zu wenig ist. Oder wie es Teresa von Avila in einer Zeile auf den Punkt bringt: Solo Dios basta – Gott allein genügt.



Ihr Pfarrer Ludger Dräger