Pfarrei  St.Gerhard Heiligenstadt

Nachdenkliches von Pfarrer Ludger Dräger



Immer weiter…?


In den vergangenen Tagen und Wochen galt es wieder sportliche Glanzleistungen zu bewundern. Die Fußballweltmeisterschaft in Russland, die Tour de France und noch manches mehr begeisterten die Menschen.  Der Sport, ein Spiegel der Leistungsgesellschaft? Ich würde eindeutig sagen, ja!  Du kannst es schaffen bzw. wir können es schaffen. Anstrengung lohnt sich. Gern ist die Rede auch von Siegermentalität. Aber am Ende, das wissen wir ja auch allzu genau, kann es nur einen Weltmeister, einen Sieger geben.

Leistung ist heute allerorten gefragt, nicht nur im Sport.  Damit einhergeht, was wir Fortschritt nennen. Digitalisierung ist das neue Zauberwort, von der Politik ganz oben bis hinunter zum Grundschüler.  Alles scheint machbar oder wie es der deutsche Handwerker manchmal etwas schlichter sagt: Geht nicht, gibt’s nicht.

Tief in diesem Wandlungsprozess steckt eine Frage, die bisher zu wenig Beachtung gefunden hat, nämlich: Braucht es da überhaupt noch einen Gott? Natürlich ist die Frage nach Gott nicht davon abhängig, ob wir ihn brauchen oder nicht. Aber die Bedeutung für uns als Menschen, ja für jeden Einzelnen von uns, ist doch davon zutiefst berührt.  Fakt ist, womit der Mensch nichts anfangen kann, was im täglichen Leben keine Rolle spielt, erledigt sich früher oder später von selbst. 

Hin und wieder blitzen jedoch Momente auf, die den ganzen Fortschritt fragil erscheinen lassen. Wenn es wochenlang kaum regnet, erkennt der Mensch seine Grenzen. Wenn die politische Lage zunehmend geprägt ist von Extremismus und Radikalismus, hilft kein digitales Knowhow. Wenn die Verwerfungen zwischen arm und reich auf diesem Globus schier unlösbar erscheinen, dann scheint doch der so genannte Fortschritt arg an seine Grenzen zu stoßen.

Sicherlich wird die Frage nach Gott nicht von heute auf morgen wieder mehr an Bedeutung gewinnen. Die Altersgruppe zwischen 15 und 35 bezeichnet sich kaum noch als religiös (weniger als 10%) Insofern ist da keine Trendwende in Sicht.

Vielleicht befremdet uns der Islam auch deshalb so sehr, weil er uns auf seine – nicht selten fragwürdige Art – einen religiösen Spiegel vorhält, der im „christlichen Abendland“ 

längst zerbrochen ist.

Ihr Pfarrer Ludger Dräger