Pfarrei  St.Gerhard Heiligenstadt

Das Wort zur Woche von Pfarrer Ludger Dräger


Die Zukunft hat schon begonnen


Simsalabim und Abrakadabra sagen die Künstler in der Manege oder im Varieté, wenn sie uns ihre Zaubertricks vorführen. Wir wissen natürlich längst, dass dies nichts mit irgendwelchen Zaubersprüchen zutun hat, sondern Geschicklichkeit bzw. die Kunst der Illusion bei solchen Darbietungen im Vordergrund stehen.
Trotzdem scheinen die Worte, die noch immer ein hohes Maß an Verzauberung auf uns ausüben, vorhanden zu sein. Eines davon ist Zukunft. Die geradezu magische Kraft dieses Wortes ist darin begründet, dass irgendwann einmal alles besser sein wird. „In jenen Tagen wird es geschehen...", so künden die Propheten des Alten Testamentes ein neue Zeit an. In den Reden der Politiker wird zumindest gern so getan als würde zukünftig alles besser werden.
Die Zukunft schwebt aber nicht einfach irgendwo im Raum, so dass ich sie nur ergreifen müsste. Sie hat zutun mit Zeit und diese vergeht bekanntlich mal langsam, mal schneller, aber sie vergeht. Deshalb ist es nur bedingt tröstlich, sich vorzustellen, dass einmal alles irgendwie besser werde. Denn gerade während ich mir das vorstelle, macht die Zeit bei mir nicht Halt. Ich werde älter und d.h. nicht zuletzt, meine Zukunftsperspektive wird immer schmaler bis sie dann irgendwann kaum noch vorhanden ist. Anders gesagt, rein weltlich gesehen ist Zukunft eine sehr vergängliche Angelegenheit.
Unser Glaube kennt daher nicht einfach einen fröhlich heiteren Zukunftsoptimismus, sondern viel radikaler sagt er, die Zukunft hat schon begonnen. Tod und Auferstehung Jesu Christi verändern alles, auch unsere Vorstellung von Zeit und Vergänglichkeit. Deshalb ist die Aussage vieler unserer Zeitgenossen, ich glaube nichts, mir fehlt nichts, ein Armutszeugnis erster Güte. Eine solche Einstellung rechnet nicht mit etwas wirklich Großem; sie beschränkt sich auf das Gewöhnliche.
Wenn wir Ostern feiern, dann feiern wir wahrlich ein außergewöhnliches Ereignis. Es ist Geschichte und umgreift doch unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Christliche Hoffnung bezieht sich nicht einfach auf bessere Zeiten. Sie schaut auf Gott, der uns in Jesus Christus den Weg zur Ewigkeit eröffnet.

Ihr Pfarrer Ludger Dräger