Pfarrei  St.Gerhard Heiligenstadt

Das Wort zur Woche von Pfarrer Ludger Dräger

Vorbei?

Weihnachten ist vorbei. Die Krippen sind wieder abgebaut.

Maria und Josef, die Hirten, die Weisen aus dem Morgenland und das Jesuskind, alles wieder wohlverpackt.

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Natürlich ändert der Abbau der Weihnachtskrippen nichts am Geheimnis der Menschwerdung. Gott ist da, war da und bleibt da, auf immer und ewig.

Dennoch müssen wir feststellen, die Erinnerung an Gott, sie scheint schwächer zu werden, zumindest bei uns in Europa. Wir sind zwar allenthalben umgeben von viel christlicher Symbolik, besonders bei uns im Eichsfeld, aber wird die Botschaft dahinter noch verstanden? Haben die Kirchen, Wegkreuze, Kapellen und Mariengrotten noch einen Sitz im Leben bei der jüngeren Generation oder ist das nur noch was für Oma? In den Wohnungen der jüngeren Generation fällt auf, dass dort kaum noch ein Kreuz hängt, geschweige denn ein Marienbild o.ä. Ganz sicher haben sie alle einmal so ein religiöses Zeichen geschenkt bekommen, zur Erstkommunion oder Firmung oder als „Mitbringsel“ von einem Wallfahrtsort.

Wir müssen achtgeben, dass unser Glaube nicht ins Leere läuft. Gewiss, die alten Selbstverständlichkeiten sind vorbei. Die Zeiten, als jedes Dorf noch einen Pfarrer hatte, sind unwiederbringlich vorüber. Das darf aber nicht heißen, dass sich damit auch unser Glaube erledigt hätte, auch wenn Vieles etwas umständlicher geworden ist und nicht jede Tradition kirchlich kultureller Prägung aufrechterhalten werden kann. Und es sollte auch nicht vergessen werden, wie groß die Herausforderungen für die Hauptamtlichen sind? Da ist das jetzige Maß schon das absolute Limit. Dennoch, kein Grund zur Klage.

Wer seine Beheimatung im katholischen Glauben weiterhin leben will, kann dies ohne Zweifel auch unter den veränderten Bedingungen tun.

Vorbei ist nur das, was wir für entbehrlich halten.

Unser Glaube sollte nicht dazu gehören.

Pfarrer Ludger Dräger